
Band: WHERE´S MY BIBLE
Album: Kave
Genre: Deathcore/Death ’n‘ Roll
Trackliste:
01. Yö
02. Màni
03. Fenrir
04. Suden hetki
05. Creator Of Abyss
06. Waves
07. Musta kuu
08. Kave
09. Deyr sjalfr it sama
10. Ghost From The Past
11. Rahko
12. Runo
13. Sòl
14. Aamu
Die fünfköpfige finnische Formation WHERE’S MY BIBLE wurde 2016 gegründet. Ihre Musik verschmilzt Melodic Death mit Black Metal Einflüssen. Darüber hinaus werden Elemente aus der skandinavischen Mythologie aufgegriffen und Folk-Instrumente verleihen dem musikalischen Ausdruck eine sehr eigenwillig-eigenständige Note. Vor kurzem wurde das zweite Album Kave veröffentlicht, das bei einer Gesamtdauer von fast 49 min. 14 Tracks zu bieten hat.
Der Eröffnungstrack „Yö“ überrascht gleich ungemein. Man erwartet Lautes, Schweres, Krachendes – tatsächlich klingt es wie ein ASMR mit Eulenruf, Wolfsgeheul, schamanischen Trommeln, Folkinstrumenten und endet in Kehlgesang, der nahtlos in „Máni“ übergeht. Harte, dunkle, kurz gespielte Gitarren eröffnen diesen zweiten Track, im Hintergrund treibende Drums und eine Wall of Sound. Growls, Screams, eher gesprochene Textzeilen mit dunklen vibes, Kehlgesang, ein Chorus der musikalisch mantra-artig-repetetiv ist. In diesem Song spielt es sich also ziemlich ab, extrem vielfältig und abwechslungsreich, um nicht zu sagen ungeordnet und durcheinander. Der folgende Song „Fenrir“ ist ein krachend beginnendes Blackened Death-Stück mit einem überraschenden Hook. Vergleichsweise langsam, aber dennoch kraftvoll, leider verschwinden die Drums all zu sehr im Hintergrund. Die Vocals sind wieder schön abwechslungsreich, zwischen aggressiv schreiend bis hin zu melancholisch düster. Im letzten Teil des Tracks wird es dann richtig melodiös mit choralen, beinahe einlullenden, Passagen. „Suden hetki“ ist etwas anders gestrickt: schnelle Riffs, eine zunächst tragende Drumline, die zunehmend Spannung aufbaut, bis sie sich dann kraftvoll entlädt, während ein spitzer Schrei den Auftakt des Verses markiert. Abwechslungsreiche Vocals, eine kräftige Portion Epicness im Chorus. Ein mächtiger Song, der im Ticken einer Uhr endet. Das Motiv der tickenden Uhr wird im Folgesong „Creator of Abyss“ wieder aufgegriffen. Ein Song, der recht düstere Atmosphäre vermittelt, insgesamt aber nicht sonderlich auffällt. „Waves“ hingegen bricht wieder mit den Erwartungen: eröffnen doch zunächst Bläser, bis sie von treibenden Drums förmlich zerbröselt werden. Knapp darüber schimmert eine atmosphärische Keyboardlinie. Der Song nimmt ordentlich Fahrt auf, wird zwischendurch in Keyboardstreichern ertränkt, durch eine zarte Pianolinie aufgelockert und durch abwechslungsreiche Vocals angereichert. WHERE’S MY BIBLE wollen schon sehr viel und bringen sehr viel in den Songs unter. Manchmal ist weniger aber mehr. „Musta Kuu“ ist ein kurzes Interludium, in dem wieder der rituell wirkende Kehlgesang einen prominenten Platz findet. Der Titeltrack des Albums „Kave“ ist ein relativ unspektakulärer Track, in die Vielfalt hat man sich bereits eingehört. Der Song sticht dabei nicht sonderlich heraus. „Deyr sjalfr it sama“ schließt an „Musta Kuu“ an, überrascht aber mit weiblicher Stimme. „Ghost From The Past“ ist wieder ein Song, der ordentlich krachend startet, epische Keyboards geleiten über in wunderbares Gekreische vor mächtig treibenden Drums – schade, dass sie so im Hintergrund versteckt sind. Der Chorus nimmt hörbar Anleihe an finnischem Symphonic Metal. Die Song-Progression führt dann schlussendlich in ein mächtiges Rock-Epos, das mit weiblichen Vocals nochmals ein zusätzliches Highlight bekommt. „Rahko“ ist ebenfalls ein Song, der zunächst durch Bombast im Kontrast mit den Screams zur Geltung kommt. In weiterer Folge erlebt man Obertongesang, Pig Squeals, Growls, Klargesang und nichts davon wirkt fremd oder unpassend. Beeindruckend und der stärkste Song des Albums. „Runo“ ist wieder ein kleines folkiges Instrumentalstück mit nettem Melodiemotiv, am brennenden Lagerfeuer. „Sól“ greift das Melodiemotiv auf und lässt es zunächst ordentlich krachen, aber wieder überraschen die Vocals: im Verse zerbrechlicher, teilweise geflüsterter, Klargesang, der Chorus zuerst Gekreische mit hoher Intensität, dann tiefschwarze Growls. Mit dem ASMR-folkigen „Aamu“ schließt das Album – ruhig, beruhigend.
Irgendwie ist man beeindruckt, irgendwie ist man ob der Fülle, der Vielfalt überfordert, irgendwie befremdet und gleichzeitig auch neugierig gemacht.
Fazit: WHERE’S MY BIBLE legen mit Kave ein interessantes, abwechslungsreiches Album vor, das über weite Strecken schon alleine aufgrund der wilden Mischung fasziniert, in der völlig selbstverständlich Kehlgesang und Folkinstrumente mit recht typischem Death und Black-Metal fusioniert werden. Starke Melodien, eigentlich gut hörbare Songs, aber es ist alles sehr viel, stellenweise sehr dick aufgetragen und tut nicht nur gut. Festzuhalten ist aber insbesondere, wie stark die unglaublich vielseitigen Vocals sind. Leider bleibt die Produktion etwas zurück, insbesondere die Drums versinken zu sehr im Hintergrund, was sich ungünstig auf die Dynamik auswirkt und der Klang zeitweise sogar breiig wird.
Punkte: 7/ 10
Autor: distelsøl