
Band: FRANTIC AMBER
Album: Death Becomes Her
Genre: Melodic Death Metal
Trackliste:
01. El Orfanato (Intro)
02. Bloodbath
03. Black Widow
04. Death Becomes Her
05. Hell´s Belle
06. Angel Maker
07. Jolly Jane
08. Gore Candy
09. The Butcheress
10. In The Garden Of Bones
11. Epitaphium (Outro)
Das Debüt Burning Insight (2015) war ein erfrischender Überraschungserfolg, der Nachfolger Bellatrix (2019) zementierte den guten Ruf von FRANTIC AMBER – nun schauen wir, ob das wichtige 3. Album der Schwedinnen mit einer qualitativen oder stilistischen Weiterentwicklung um die Ecke kommt.
Heroisch schwebend und zugleich marginal düster lässt uns die kurze Einleitung noch bequem Platz nehmen, bevor schneidige Doublebass-Salven und die gewohnt hyperaggressive, bissige Stimme das Kommando übernehmen. Fließende Taktwechsel sorgen für rhythmische Variationen und der melodische Aspekt kommt hintergründig ebenso zum Tragen. Interessanterweise taucht schon beim Opener „Bloodbath“ ein ausuferndes Gitarrensolo auf. Doomige Einschübe verpassen dem einen oder anderen Stück dynamische Wendungen, doch schneidige, thrashige Wutausbrüche halten das Aggressionslevel hoch. So richtig offensichtliche Ohrwürmer sind erstmals nicht ausfindig zu machen, doch die Langzeitwirkung profitiert davon. Melodische Black Metal-Läufe peitschen etwa „Black Widow“ voran und stehen den groovigen Passagen kontrastreich gegenüber. Auch vor einigen schweren, dissonanten Tönen schrecken die Damen nicht zurück und fordern die Hörerschaft damit heraus. Eine leicht orchestrale Patina stellt eine weitere Soundfacette dar. Das Keyboard trägt zwischendurch beim bedrohlichen Titelsong „Death Becomes Her“ die Melodie und die kratzige Stimme kommt bei reduzierter Instrumentierung sehr gut zur Geltung. Der chorale Klargesang mit passender Orgelbegleitung und kontrastreicher Doublebass fordert frenetischen Applaus – ein wunderbarer Song! Die epische Präsentation behält die Band bei den folgenden Tracks bei, besonders „Angel Maker“ kann hier wieder einige Trümpfe ausspielen und die Ideen fein ausarbeiten. Hier ein kurzes Basssolo, dann ein waschechtes Heavy Metal-Lick, rhythmische Vertracktheit oder monstermäßige Dampfhammergrooves – da spielt sich einiges ab, vor allem im Vokalbereich, denn neben Gekreische finden wir tiefe Growls, Flüstern und opernhaftes Timbre. Tempomäßig finden die Damen auch eine fein abgestimmte Balance, legen jedoch begrüßenswerterweise ihr Hauptaugenmerk auf Stimmungen und höchst variantenreiches Songwriting. Wütende Brecher wie „Jolly Jane“ hinterlassen mit frenetischem Geblaste vorerst nicht so einen tiefen Eindruck, erst mit dem Breakdown (sic!) kommt überraschend ungewöhnliche Würze ins Spiel. Geschickter Schachzug! Dann – man glaubt es kaum – knallt uns das Quartett ein Grindcore-Zuckerl vor die Füße („Gore Candy„, 50 Sekunden lang), ehe „The Butcheress“ in technisch vertrackter Manier unseren letzten Widerstand zerhackstückelt. Schleppend und bedrohlich einerseits entlassen uns FRANTIC AMBER nach Atem ringend mit Klargesang und Sanftmut („In The Garden Of Bones„) – insgesamt mit Überraschungen gespickt und spannend.
Fazit: Ein bisserl Doom, ein bisserl Symphonik, dazwischen viele speedige Eruptionen – FRANTIC AMBER setzen diesmal nicht nur auf affenartige Geschwindigkeit, sondern auf dunkle Atmosphäre und epische Songstrukturen. Nicht ganz einfach und eingängig zeigt sich Death Becomes Her als Grower, ein typisches Album, das bei jedem Hören wächst und neue Facetten offenbart.
Punkte: 9 / 10
Autor: Leonard