BLACK AUTUMN – Zwischen Fernen Dunkeln (2024)

Band: BLACK AUTUMN
Album: Zwischen Fernen Dunkeln
Genre: Ambient Black

Trackliste:
01. Nigredo
02. Rauhnacht
03. Rauhnacht MMXV-I
04. Rauhnacht MMXV-II
05. Rauhnacht MMXVI-I
06. Rauhnacht MMXVI-II
07. Rauhnacht MMXVII – Stone And Feathers
08. Rauhnacht MMXVII – Spectres
09. Rauhnacht MMXVII – The Wait
10. Allerseelen
11. Став рекой (Becoming A River)
12. Light Upon Light
13. Apollo

Kurz vor Weihnachten 2024 erschien die Compilation Zwischen Fernen Dunkeln von BLACK AUTUMN. Der Zeitpunkt des Releases könnte passender nicht sein, werden doch die EPs aus den Jahren 2014 bis 2017, die sich mit den Rauhnächten befassen, zusammen geführt. Dazu kommen drei neue Tracks, die thematisch und atmosphärisch ins Konzept passen.

Die Rauhnächte, eine traditionell mystische und symbolträchtige Zeit. Die Nächte in der Zeit zwischen den Jahren, die besonders geheimnisvoll und von Geistern oder anderen übernatürlichen Wesen durchzogen sein sollen. In vielen alten Bräuchen und Erzählungen wird diese Zeit mit der Vorstellung verbunden, dass die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Geisterwelt besonders durchlässig ist. Eine Zeit der Stille, der Reflexion und Nachdenklichkeit. Was passt dazu besser als bei Kerzenlicht stimmungsvollen Ambient Black zu hören? Bereits seit 1995 besteht das Solo-Projekt BLACK AUTUMN des Deutschen Michael Krall, das Oeuvre umfasst mittlerweile 6 Full-Lengths und eine ganze Reihe von EPs und Splits. Geprägt ist das musikalische Schaffen von Stücken, die mit wenig oder keinen Vocals auskommen, aber dennoch eine atemberaubend dichte Atmosphäre schaffen. Passagen von zärtlichen Melodien folgen auf kraftvolle, von mächtigen Gitarren getriebenen Sequenzen, beispielhaft dafür sei Rauhnacht MMXV – II genannt. Mitunter lassen sich fein gesetzte Streicher hören, die aber niemals ins kitschig-klebrige abgleiten, sondern die vermittelte Stimmung unterstreichen. Das dynamische Spiel mit Lautstärke und Intensität unterstreicht die Stimmung. Die Musik reicht zärtlich die Hand, lädt ein zum Verweilen, zum Eintauchen, erzeugt eine eskapistische Insel der Ruhe inmitten der weltlichen Hast. Rückzugsort und Hoffnungsschimmer. Wenn das gelingt, ist es hohe Kunst. Nicht zufällig scheint das Album auf einen Roman von Tanja Kinkel zu referieren. Ist es doch das Streben nach Selbstfindung und die Konfrontation mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten, die Konfrontation mit der metaphorischen „Dunkelheit“, dem Unbekannten und die Herausforderungen, die der Mensch reflektierend zu überwinden hat, um zu einem tieferen Verständnis seiner selbst zu gelangen, das beiden gemein ist.

Fazit: Dichte Atmosphäre, wunderschön und kraftvoll zugleich, ohne pathetisch oder überladen zu sein. In der Zusammenführung der Compilation wird eindrucksvoll gezeigt, welche musikalischen und kompositorischen Fähigkeiten Michael Krall hat. Ein Album für die ruhigen, nachdenklichen Stunden, zur Selbstfürsorge des schwarzen Herzens, nachdenklich, melancholisch, aber immer mit dem Hoffnungsschimmer am Horizont.

Punkte: 10/ 10

Autor: distelsøl